Was darf ich noch über Umwelt schreiben?
Wenn „klimaneutral", „nachhaltig" und „umweltfreundlich" zum Risiko werden — was darf man dann eigentlich noch schreiben? Dieser Artikel zeigt zulässige Formulierungen für die häufigsten Marketing-Situationen: Produktseiten, Versand-Kommunikation, Über-uns, Nachhaltigkeits-Berichte.
Das Grundprinzip: Konkret, belegbar, geprüft
Drei Eigenschaften müssen Umweltaussagen ab 27.09.2026 erfüllen: Erstens konkret — kein generisches Wort, sondern eine bezifferte Aussage über einen identifizierbaren Aspekt. Zweitens belegbar — mit Zahl, Methode und Bezugswert. Drittens geprüft — durch externe Drittzertifizierung oder anerkannten Standard.
Das klingt streng, ist aber machbar. Die Tabelle der zulässigen Drittzertifizierungen ist lang: EU-Ecolabel, EMAS, Blauer Engel, FSC, PEFC, GOTS, OEKO-TEX, EU-Bio-Logo, Fairtrade, Cradle-to-Cradle, Rainforest Alliance, RSPO — je nach Branche.
Produktseiten: zulässige Formulierungen
Statt „nachhaltige Verpackung" → „Verpackung aus 100% recyceltem Papier, FSC-Recycled-zertifiziert (FSC-C123456)". Statt „umweltfreundliches Produkt" → „mit EU-Ecolabel zertifiziert (EU-Umweltzeichen DE/050/001)". Statt „klimaneutral hergestellt" → „Scope-1+2-Emissionen seit 2019 um 47% reduziert (verifiziert nach ISO 14064-1)".
Bei Lebensmitteln: EU-Bio-Logo (verbindlich für „bio"/„öko"); Regionalfenster oder geschützte EU-Bezeichnungen für „regional". Bei Kosmetik: NATRUE, COSMOS Natural/Organic. Bei Textilien: GOTS, OEKO-TEX, Cradle-to-Cradle.
- Recyclat-Anteil mit Prozentzahl + Zertifizierungsnachweis nennen
- Energieeffizienz: EU-Klasse direkt angeben (z.B. „Klasse A++")
- Stromherkunft: konkretes Label (Grüner-Strom-Label, ok-power) statt „grün"
Versand- und Verpackungs-Kommunikation
„CO2-neutraler Versand" wird ab Stichtag heikel. Sauberer: „Wir reduzieren Versandkomprimissionen durch Bündelung mit DPD und kompensieren die Restemissionen freiwillig über Gold-Standard-Projekt GS-12345." Konkrete Reduktionswerte (z.B. „32% gegenüber Branchen-Standard") sind belegbar, wenn die Daten externer Verifikation standhalten.
Bei der Verpackung: Material und Zertifizierung nennen. „Versandkarton aus FSC-recycled-Pappe, Klebeband aus Recycling-PP, Füllmaterial aus Maisstärke (DIN EN 13432 zertifiziert)" — länger, aber nicht angreifbar.
Über-uns-Seiten und Nachhaltigkeits-Berichte
Über-uns-Seiten sind klassische Greenwashing-Falle — hier wird Geschichte erzählt, und Marketing-Sprache hat freien Lauf. Saubere Formulierungen: „Unser Reduktionsziel ist von der Science Based Targets Initiative validiert (1,5-Grad-konformer Pfad)." „Wir berichten jährlich nach GRI-Standard." „Unser Umweltmanagement ist nach ISO 14001 zertifiziert."
Vermeiden: pauschale „Wir sind nachhaltig"-Headlines, „Klimapositive Mission", Eigen-Siegel. Bei Zukunfts-Ankündigungen immer den konkreten Pfad mit Zwischenmeilensteinen nennen — sonst ist die Aussage angreifbar.
Blog-Beiträge und Pressemitteilungen
In Blog-Beiträgen und Pressemitteilungen sind „klimaneutral"-Begriffe besonders oft anzutreffen — meist als Hintergrund-Information („Wir sind seit 2022 klimaneutral und investieren in...") . Ab Stichtag wird auch das angreifbar, sofern die Inhalte online erreichbar sind.
Lösung: Inhalte umformulieren ODER deutlich als historische Aussage markieren und mit aktuellem Stand verknüpfen. Beispiel: „Unsere damalige Klimaneutralitäts-Strategie (Stand 2022) basierte auf Kompensation; seit 2024 setzen wir auf reale Reduktion mit SBTi-Validierung."
Was bleibt: 5 sichere Formulierungen
Diese fünf Formulierungs-Bausteine sind 2026 auf der sicheren Seite — sofern sie wahrheitsgemäß verwendet werden:
- „Scope-1+2-Emissionen seit [Jahr] um [X]% reduziert (verifiziert nach ISO 14064-1)"
- „Mit [konkretem Drittzertifikat] zertifiziert (Lizenznummer [XYZ])"
- „Energieeffizienzklasse [A++/A+/A]" (bei klassifizierten Produkten)
- „[X]% Recyclat-Anteil im [Material]" (mit Drittzertifikat-Nachweis)
- „Reduktionsziel von der Science Based Targets Initiative validiert ([1,5-Grad-Pfad])"
Fazit
Die EmpCo-Richtlinie schränkt nicht ein — sie macht Umweltkommunikation präziser. Wer sich an „konkret, belegbar, geprüft" hält, hat ab 27.09.2026 einen klaren Vorteil: Wettbewerber, die noch mit „nachhaltig" und „klimaneutral" arbeiten, werden abmahnbar. Den ersten Scan deiner Seite gegen 146 Greenwashing-Begriffe übernimmt der Greenwashing-Check kostenlos.
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Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Stand: 2026-06-08.